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Das Werden der Demokratie

Am 21. Oktober 1918 fand im Niederösterreichischen Landhaus die für die Geschichte der Republik Österreich so bedeutende Konstituierung der "Provisorischen Nationalversammlung des selbständigen Deutschösterreichischen Staates" statt. Dem Vorbild der deutschsprachigen Reichsratsabgeordneten entsprechend bildeten sich in den Ländern Provisorische Landesversammlungen und brachten damit die Selbständigkeit der alten Kronländer und nunmehrigen Bundesländer zum Ausdruck. Auf Grund des Selbstbestimmungsrechtes erklärten sie sich als selbständige Länder im Rahmen des deutsch-österreichischen Staates.

120 der bei den Wahlen des Jahres 1908 gewählten Abgeordneten - 88 davon waren Landtagsabgeordnete und 32 Reichsratsabgeordnete - fanden sich am 5. November 1918 im Niederösterreichischen Landtagssitzungssaal zur Bildung der Provisorischen Landesversammlung zusammen und beschlossen, die "politische Verwaltung Niederösterreichs und die Vollzugsgewalt" zu übernehmen. Mit dem Staatsgesetz vom 14. November 1918 betreffend die Übernahme der Staatsgewalt in den Ländern waren die provisorischen Landesversammlungen anerkannt worden. Sie erhielten zunächst lediglich die Befugnisse der früheren Landtage, das Recht der Gesetzgebung brachte erst eine Verfassungsänderung vom 14. März 1919.

Eine der vordringlichsten Aufgaben der Provisorischen Landesversammlung war der Beschluss einer neuen Landtagswahlordnung am 20. März 1919, damit ein gewählter Landtag an die Stelle des Provisoriums treten könne. So wurde am 4. Mai 1919 der Landtag von Niederösterreich erstmals nach dem allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrecht aller Staatsbürger ohne Unterschied des Geschlechtes, wenn sie vor dem 1. Jänner 1919 das 20. Lebensjahr überschritten hatten, gewählt: Von den 120 Abgeordneten kamen 68 aus Wien und 52 aus dem heutigen Niederösterreich.