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Das Ende der Demokratie

Als es am 4. März 1933 zur Ausschaltung des Nationalrates kam, wurde der NÖ Landtag zum Schauplatz der demokratisch-politischen Auseinandersetzungen. Die Sozialdemokraten, denen durch die Auflösung des Parlaments jede Möglichkeit politischer Mitbestimmung entzogen worden war, attackierten die Christlichsozialen wegen des verfassungswidrigen Vorgehens der Bundesregierung. Nachdem die Terroranschläge und Gewalttaten der NSDAP am 19. Juni 1933 mit einem Handgranatenüberfall auf christlich-deutsche Turner in Rehberg bei Krems mit einem Todesopfer und 16 Verletzten einen Höhepunkt erreicht hatten, verbot die Bundesregierung noch am gleichen Tag die NSDAP. Im NÖ Landtag jedoch stimmten Christlichsoziale und Sozialdemokraten gemeinsam für ein Verfassungsgesetz, welches das Verbot der NSDAP und die Aberkennung ihrer Mandate auf Landes- und Gemeindeebene zur Folge hatte.

Noch knapp vor dem Bürgerkrieg des Jahres 1934 gab es im NÖ Landtag eine Gesprächsbasis zwischen Christlichsozialen und Sozialdemokraten, die auch nach dem 12. Februar 1934 bis zum Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich zumindest teilweise erhalten blieb. Am 1. Juli 1934 trat die Ständische Verfassung für die Republik Österreich in Kraft, die ständische Landesverfassung am 1. November 1934. Der Ständische Landtag von Niederösterreich setzte sich aus 36 Mitgliedern zusammen, die vom Landeshauptmann ernannt wurden. Neben kirchlichen Vertretern und Mandataren für Wissenschaft und Bildung stellten die Bauern den Großteil der berufsständischen Gruppen.

Am 13. März 1938 wurde Österreich ein "Land des Deutschen Reiches" und damit der Anschluss vollzogen. Mit dem Erlass des "Führers und Reichskanzlers" vom 17. März 1938 gingen sowohl die Hoheitsrechte des Bundes wie auch jene der früheren Länder auf dem Gebiet der Gesetzgebung auf das Deutsche Reich über. In der NS-Diktatur waren Landtage nicht mehr vorgesehen. Seit dem 24. Mai 1938 hieß Niederösterreich Niederdonau. Auch zahlreiche niederösterreichische Politiker waren Opfer des NS-Regimes: Landeshauptmann Reither gehörte zu den ersten, die ins Konzentrationslager Dachau verschleppt wurden.