Die Trennung Wiens von Niederösterreich

Mit dem Inkrafttreten der Bundes-Verfassung am 10. November 1920 begann der Trennungsprozess von Wien und Niederösterreich. Der Artikel 2 der Bundesverfassung kannte zwar noch ein einheitliches Land Niederösterreich, doch enthielten die Artikel 108 bis 114 Bestimmungen über eine Gliederung Niederösterreichs in die beiden Landesteile Wien und Niederösterreich-Land. Gemäß Artikel 110 sollte jeder der beiden Landesteile in den nicht gemeinsamen Angelegenheiten die Stellung eines selbständigen Landes haben. Der bestehende Landtag fungierte weiterhin als (gemeinsamer) Landtag für beide Landesteile, wurde aber in die Kurien "Wien" und "NÖ-Land" geteilt. Den Kurien wurden die Abgeordneten nach ihren Wahlkreisen zugeordnet.

Die Trennung Wiens von Niederösterreich erschien damals vielen weder zweckmäßig noch sinnvoll. Wirtschaftlich erwies sie sich für Niederösterreich in der weiteren Folge als gravierender Nachteil. Politisch aber war diese Trennung notwendig geworden, da die Vertreter der übrigen Bundesländer der Bundesverfassung nur dann zuzustimmen bereit waren, wenn sie nicht von einem einzigen Bundesland, nämlich Niederösterreich mit Wien, das damals mehr als die Hälfte aller Einwohner Österreichs hatte, im Bundesrat majorisiert werden konnten. Zum anderen war es eine politische Notwendigkeit, die grundverschiedenen Interessen einer Großstadt mit sozialdemokratischer Dominanz von den Interessen des Bauernlandes Niederösterreich mit großer christlichsozialer Mehrheit zu trennen.

Am 30. November 1920 beschloss der Landtag von Niederösterreich-Land die Verfassung des Landes, die im Wesentlichen bis 1979 galt. Eine gemeinsame Landesverfassung wurde erst am 28. Dezember 1920 erlassen und hatte nur kurze Gültigkeit. Die praktischen Erfordernisse erzwangen nämlich schon bald eine klare Entscheidung, die schließlich mit der ausdrücklichen Außerkraftsetzung der gemeinsamen Landesverfassung und dem Trennungsgesetz am 29. Dezember 1921 getroffen wurde: In übereinstimmenden Beschlüssen des Wiener Landtages und des Landtages von Niederösterreich-Land wurde mit 1. Jänner 1922 ein "selbständiges Bundesland Wien" gebildet und der bisherige Landesteil Niederösterreich-Land zum ebenfalls selbständigen Bundesland Niederösterreich erhoben.

Am 10. Juli 1986 hat der Landtag durch Änderung der NÖ Landesverfassung St. Pölten zur Landeshauptstadt bestimmt, ist am 21. Mai 1997 in das neu errichtete Landhausviertel übersiedelt und hat dort seine Arbeit aufgenommen.


Landtagsdirektion
3109 St. Pölten, Landhausplatz 1, Haus 1a | Tel.: +43 (0) 2742 / 9005 DW 12431, 12430
Fax: +43 (0) 2742 / 9005 DW 13430 | E-Mail: post.landtagsdirektion@noel.gv.at
Internet: www.landtag-noe.at