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Demokratischer Neubeginn

Der Zweite Weltkrieg hatte Niederösterreich besonders in Mitleidenschaft gezogen. Wochenlang war Niederösterreich Kriegsschauplatz, 71 % aller in Österreich an Industrieanlagen registrierten Kriegsschäden waren in Niederösterreich zu verzeichnen. Ein Drittel der Wohnhäuser des Bundeslandes war zerstört oder beschädigt, von 12.600 in ganz Österreich beschädigten oder vernichteten Bauernhöfen lagen 11.680 in Niederösterreich. 678 Brücken des Landes waren gänzlich oder größtenteils zerstört, neun Zehntel des niederösterreichischen Eisenbahnnetzes waren durch Kriegseinwirkungen in Mitleidenschaft gezogen.

Nachdem die Provisorische Staatsregierung die Österreichische Bundes-Verfassung mit Stand vom 5. März 1933 und mit Wirksamkeit vom 1. Mai 1945 in Kraft gesetzt hatte, ernannte sie Leopold Figl zum provisorischen Landeshauptmann, der gemeinsam mit dem Sozialisten Oskar Helmer und dem Kommunisten Otto Mödlagl als Landeshauptmannstellvertreter die Landesverwaltung wieder errichtete.

Ähnlich den Länderkonferenzen nach dem Ersten Weltkrieg wurden im Herbst des Jahres 1945 die Einheit des Landes und die Demokratie in Österreich bei drei Länderkonferenzen im NÖ Landtagssitzungssaal wieder hergestellt. Die Anwesenheit der Besatzungsmächte und das Einspruchsrecht des Alliierten Kontrollrates erschwerten die Arbeit der Bundes- und Landesbehörden.

Die erste Landtagswahl nach dem Krieg fand am 25. November 1945, gleichzeitig mit der Nationalratswahl, statt. Mit der Konstituierung des NÖ Landtages am 12. Dezember 1945 ging die Landesgesetzgebung von der Provisorischen Landesregierung wieder auf den Landtag über.

Obwohl die KPÖ bei den ersten Landtagswahlen nach der Wiederherstellung der demokratischen Republik Österreich nur 5,15 % der Stimmen erhalten hatte, führte der Umstand, dass Niederösterreich in der sowjetischen Besatzungszone lag, zur Einsetzung eines kommunistischen Regierungsmitgliedes.

Die Arbeit des Landtages in den ersten Nachkriegsjahren war vornehmlich von den Problemen der Ernährungssicherung und des Wiederaufbaues bestimmt. Niederösterreich hat bis zum Staatsvertrag 1955 zehn Jahre lang im Interesse des Gesamtstaates die Hauptlast der Besatzung Österreichs getragen und dabei bedeutende Opfer gebracht.