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Auf dem Weg zur demokratischen Volksvertretung

Das Revolutionsjahr 1848 brachte auch das Ende der ständischen Vertretung. Nach anfänglichen demokratischen Zugeständnissen folgte jedoch auf die Niederwerfung der Revolution und Ungarns die Rückkehr zu Zentralismus und Absolutismus. Erst außenpolitische Misserfolge und verlorene Kriege sowie die wachsende Unzufriedenheit im Volk führten allmählich zur Regierungsbeteiligung der Volksvertretung und damit zum Ende des Absolutismus.

Das Oktober-Diplom, die Verfassung vom 20. Oktober 1860, begründete zwar eine neue ständische Verfassung, trat aber nie in Kraft. Das Februarpatent, das Verfassungswerk vom 26. Februar 1861, das im Wesentlichen bis zum Ende der Monarchie in Kraft war, schmälerte die Befugnisse der Landtage zugunsten des Reichsrates. Gleichzeitig mit der neuen Verfassung wurden eine neue Landesordnung und eine Landtagswahlordnung für das Erzherzogtum Österreich unter der Enns erlassen.

Am 6. April 1861 trat der erste gewählte Landtag von Niederösterreich zusammen. Die 66 Mitglieder waren großteils nach dem Zensuswahlrecht gewählt, d. h. die Wahlberechtigung war an eine bestimmte Steuerleistung des Wählers gebunden. Dadurch waren kaum zehn Prozent der Einwohner Niederösterreichs wahlberechtigt. Immerhin wurden nunmehr die Deputierten der Städte und Märkte und die der Landgemeinden erstmals in Wahlkreisen gewählt, wobei die Landgemeindenvertreter durch Wahlmänner ermittelt wurden. Ab 1896 wurden die Zahl der Abgeordneten um 12 erhöht und die Vertreter der Landgemeinden direkt gewählt.

Im Jahre 1907 stieg die Anzahl der Mitglieder des Landtages auf 127, wobei der Landtag in drei Kurien geteilt war: 23 Abgeordnete der ersten Kurie wurden nach dem Privilegienwahlrecht gewählt, 46 der zweiten Kurie nach dem Zensuswahlrecht und 58 der dritten nach dem nunmehr für Männer eingeführten allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrecht.

Vorsitzender des Landtages, der keine politischen Parteien im heutigen Sinn und damit auch keine Fraktionsbildungen kannte, war der Landmarschall, der vom Kaiser für jede Tagung mit dem Vorsitz betraut wurde.